Blick von der Bühne beim Open Air-Konzert des hr-Sinfonieorchesters; Foto: Katja Kupka

Klassik und Social Media: Das Open Air Konzert des hr-Sinfonieorchesters

Ein Blick hinter die Kulissen

Als Social Media Reporterin besuchte ich am 17. August das Open Air Konzert des hr Sinfonieorchesters. Meine Eindrücke und die der anderen Social Media – Reporter findet Ihr unter #hrSOpenAir. Einige Tage vorher traf ich im Hessischen Rundfunk die Cellistin Christiane Steppan zum Interview. Sie spielt seit ihrem achten Lebensjahr Cello, sodass es ihr leicht fiel, mir dessen Klang zu beschreiben: „Das Cello ist sehr gesanglich, mit dem Horn zusammen kommt es dem Gesang – zum Beispiel einem guten Bariton – am nächsten. Dabei klingt es warm, rund und nie schrill, poetisch beschrieben klingt das Cello ‚sinnlich‘“.

Interview mit Cellistin Christiane Steppan im Hessischen Rundfunk; Foto: Ulrike Schmid

Interview mit Cellistin Christiane Steppan im Hessischen Rundfunk; Foto: Ulrike Schmid

Mich interessierte, wie sie mit den besonderen Anforderungen eines Konzerts unter freiem Himmel bei den vergangenen Open Air-Konzerten umging. Sie erklärte: „Ich fand es toll, das Publikum war so aufmerksam und hat begeistert zugehört. Es ist immer ein Geben und Nehmen zwischen Musikern und Publikum, und die Begeisterung hatte sich übertragen.

So erlebte ich auch das Konzert letzte Woche. Während des Vorprogramms redeten die Besucher noch viel, aber bei dem Vortrag des Orchesters war ich beeindruckt, wie still Tausende Menschen sein können. Eine Ausnahme stellte das zeitgenössische Werk „América salvaje“ von Jimmy López dar, bei dem die Zuschauer gefühlvoll und möglichst wenig neurotisch (O-Ton Dirigent) in die 2000 mit Wasser gefüllten Vogelpfeifen blasen sollten. Via Twitter informierte ich den Komponisten, wie gut Frankfurt sein Werk aufnahm.

Die Besucher des Open Air Konzerts des hr-Sinfonieorchesters; Foto: Katja Kupka

Die Besucher des Open Air Konzerts des hr-Sinfonieorchesters; Foto: Katja Kupka

Das hr-Sinfonieorchester als YouTube-Star

Frau Steppan ist im Web wenig aktiv und pflegt lediglich ein privates Facebook-Profil. Dennoch antwortete sie begeistert auf meine Frage, wie sich die Digitalisierung auf das Orchesterleben auswirkt: „Ich nehme das sehr positiv wahr. Bis weit in die 90er Jahre gab es wenig Werbung für das hr-Orchester, abgefilmte Konzerte im TV ja, aber wenig mediale Aufmerksamkeit. Durch Social Media erhöht sich die Aufmerksamkeit und das Orchester erreicht neue Zielgruppen, zum Beispiel durch das niedrigschwellige Angebot bei YouTube. Das #hrSO war eines der ersten Sinfonieorchester mit eigenem YouTube-Kanal. Das Niveau sinkt dadurch nicht, denn das Orchester macht keine anderen Dinge als zuvor.

Kurz vor dem großen Auftritt; Foto: Katja Kupka

Kurz vor dem großen Auftritt; Foto: Katja Kupka

Dank YouTube ist die Qualität des hr-Sinfonieorchesters auf der ganzen Welt bekannt. Gerade im asiatischen Raum ist die Begeisterung für klassische Musik groß und die Menschen freuen sich, wenn das #hrSO auf Tournee kommt. Die Konzertsäle in Japan zählen zu den besten der Welt und die Menschen reagieren enthusiastisch auf die Musik, ähnlich wie in Südkorea. Lediglich in China entwickelt sich die Nachfrage noch langsamer, zumindest außerhalb der Metropolen.

Letzte Vorbereitungen für das Open Air-Konzert des hr-Sinfonieorchesters; Foto: Katja Kupka

Letzte Vorbereitungen für das Konzert des hr-Sinfonieorchesters; Foto: Katja Kupka

Frauen am Dirigentenpult

In der Vorbereitung auf das Gespräch recherchierte ich, dass nur knapp zwei Prozent der deutschen Sinfonieorchester von einer Frau dirigiert werden. Ich fragte Christiane, ob sie einen Unterschied zwischen der weiblichen und männlichen Art ein Orchester zu führen feststellen kann. Sie sagte: „Ich habe schon öfter unter einer Dirigentin gespielt, zuletzt zum Saisonende unter der jungen Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla, die Chefdirigentin in Birmingham wurde. Mir ist es egal, ob Mann oder Frau, Hauptsache überzeugend. Vor vielen Jahren war es exotisch, da gab es mal seltsame Blicke, aber heute nicht mehr. Es geht darum, dass die Person überzeugt und ihren Job gut macht – es ist keine Geschlechterfrage.

Zu Dirigenten wollte ich wissen, ob es eine Entwicklung in deren Verhältnis zum Orchester über die Zeit gab. Nachdem ich das sympathische und offene Auftreten von Andrés Orozco-Estrada, Chefdirigent des hrSO, beim Konzert erlebte, kann ich mir die Zusammenarbeit auf Augenhöhe gut vorstellen.

Zum Verhältnis zwischen Orchester und Dirigent erklärte die Cellistin: „Es gab und gibt immer mal wieder dominante Dirigenten, das ist weniger eine Generationsfrage, sondern mehr eine Typsache. Wichtig ist, dass sich der Dirigent den Musikern gegenüber respektvoll verhält, idealerweise auf Augenhöhe. Sie dürfen nicht vergessen: Ohne Orchester ist der Dirigent nichts – und umgekehrt. Ein Dirigent muss ein guter Musiker sein, aber auch ein guter Psychologe. Stellen Sie sich vor, da sitzen 80 bis 100 Persönlichkeiten, die alle studiert haben und ihr Instrument und das Stück perfekt beherrschen. Er oder sie muss es schaffen, innerhalb einer Woche ein wohlklingendes Ganzes zu erzeugen. Das sind die wahren Könner, die das hinbekommen, ohne dass es Krach gibt.“

Bei dem internationalen Orchesterprojekt Spira Mirabilis spielen die Musiker ohne Dirigenten, was aber möglicherweise nur bei kleineren Orchestern problemlos funktioniert.

Die Social Media-Reporter beim Backstage-Einsatz; Foto: Katja Kupka

Die Social Media-Reporter beim Backstage-Einsatz; Foto: Katja Kupka

Wer wie ich das Konzert am Mainufer besucht hat, dachte vielleicht im Stillen „ich müsste viel öfter klassische Musik hören“. Falls Ihr nicht bis zum nächsten Sommer warten wollt, probiert doch mal ein Abonnement aus. Das klingt umfangreicher als es ist. Neben großen Abonnements, die alle Konzerte einer Saison abdecken, gibt es diverse „Einsteigermodelle“.

Wem der Weg in den hr-Sendesaal oder die Alte Oper zu weit ist, die Musikerinnen und Musiker kommen im Rahmen anderer Projekte auch in die Region. Christiane ist beispielsweise regelmäßig mit dem Brentano-Ensemble und einem Repertoire an Kammermusik in Hessen unterwegs.

Hinter den Kulissen des Open Air-Konzerts des hr-Sinfonieorchesters; Foto: Katja Kupka

Hinter den Kulissen des Open Air-Konzerts; Foto: Katja Kupka

Backstage Pass; Foto: Katja Kupka

Backstage Pass; Foto: Katja Kupka

Katja Kupka, Moderatorenteam #smcffm

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3 Gedanken zu „Klassik und Social Media: Das Open Air Konzert des hr-Sinfonieorchesters

  1. Farbenfreundin (@farbenfreundin)

    Liebe Katja,
    wie Du war ich auch auf dem Konzert und toll, dass ich jetzt ein paar backstage Informationen bekomme. Ganz spannend fand ich auch Deine Frage nach weiblichen Dirigenten… Fragen, die man ruhig mal stellen kann! Freue mich schon auf den nächsten gemeinsamen Event!
    Viele Grüße
    Bärbel

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    1. Katja Kupka Autor

      Liebe Bärbel, vielen Dank für Deine positive Rückmeldung. Ich freue mich auch schon auf das nächste gemeinsame Social Media – Event. Beste Grüße von Katja

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  2. Pingback: Hessischer Rundfunk #hrSOpenAir | Virenschleuder-Preis #vsp16

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