Visual Content – neuer Wein in alten Schläuchen oder the next big thing?

Folgender Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade Visual Content – Bilder im Content Marketing.

Auch wenn oft der Eindruck entsteht, dass Visual Content etwas Neues ist, so haben Bilder doch schon seit jeher große Bedeutung. Nicht umsonst gibt es Redensarten wie „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, was übrigens im digitalen Zeitalter fast schon überholt erscheint, denn wer liest im Internet noch tausend Worte am Stück. Bilder haben traditionell immer schon eine größere Zuhörerschaft erreicht als Texte, ganz einfach, weil in früheren Zeiten viele Menschen nicht die Möglichkeit hatten, lesen zu lernen. Analphabeten sollte es heutzutage – zumindest in den entwickelten Ländern – kaum noch geben.

Oh, Moment, ist das wirklich so? In Deutschland gibt es eine erstaunlich große Zahl sogenannter funktionaler Analphabeten. Der leo.-Studie  aus dem Jahr 2011 zufolge sind ungefähr 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland „aufgrund ihrer begrenzten schriftsprachlichen Kompetenz nicht in der Lage, am gesellschaftlichen Leben in angemessener Form teilzuhaben“. Content, der durch Bilder ergänzt wird, erreicht diese Zielgruppe auf jeden Fall besser. Aber auch jene, die Deutsch als Fremdsprache neu erlernen, bekommen mit Bildern einen schnelleren und leichteren Zugang zu Themen.

Bilder im Kopf

Von visuellem Content profitieren aber auch die meisten Menschen, die keiner der beiden Gruppen zugerechnet werden können. Bilder sind leichter zu verdauen als Texte. Der große Nachteil besteht allerdings darin, dass nicht mehr so einfach eigene Bilder im Kopf entstehen können. Zu einem Text hat fast jeder Leser eine andere Meinung, interpretiert anders und versteht vielleicht sogar Aussagen des Autors falsch. Das ist nichts Schlechtes, sondern gehört zu einer Auseinandersetzung mit Literatur, aber ebenso mit Sachtexten oder Werbung dazu.

Katze auf Mallorca

Ein weiteres Problem stellt die häufig (zu) starke Vereinfachung durch Bilder dar. Nehmen wir als Beispiel die Tagesschau. Hier hat die ARD nur 15 Minuten Zeit, um alle wichtigen Meldungen des Tages unterzubringen. Da muss manchmal ein kurzer Filmausschnitt oder gar nur ein Foto zur Illustration ausreichen. Und genau hier bewegen wir uns an der Grenze zur Manipulation. So könnte man bei einer Demonstration einen Steine werfenden Demonstranten zeigen oder einen prügelnden Polizisten. Natürlich wäre auch ein Foto der mehrheitlich friedlich und in der Sache engagiert vorgehenden Teilnehmer denkbar, aber vielleicht würde dies zu wenig Aufmerksamkeit erregen.

Dazu kommt der Trend zum mobilen Zugriff auf das Internet. Der Konsum eines Textes, den man am heimischen Rechner oder per Tablet auf dem Sofa noch recht bequem lesen kann, wird via Smartphone manchmal unattraktiver. Auch hier siegen Bilder mitunter vor Text. Das gilt natürlich nicht generell, sondern hängt mit davon ab, wie gut das responsive Design die Bilder auf dem Smartphone anzeigt. Lassen sich wichtige Details nur schlecht erkennen oder sind die Bildunterschriften ungünstig gesetzt, so ist der Nutzer schnell verärgert.

Katze vor der Tür auf Mallorca

Budget und Know-how für Visual Content

Was bedeutet dies nun für das Content Marketing? Auf jeden Fall wird klar, dass die Qualität des Contents immer wichtiger wird. Die schiere Masse an Content, mit der ein durchschnittlicher Internetnutzer täglich konfrontiert wird, ist bereits sehr groß – und wächst beständig weiter. Daher selektieren die Konsumenten stärker. Und nicht nur sie, auch die Suchmaschinen haben die Bedeutung von qualitativ hochwertigem Content erkannt. Das semantische Web, auf das Google seit den Panda- und Hummingbird-Updates setzt, gewinnt immer stärker an Bedeutung. Texte, die schwer verständlich sind oder dem Nutzer keine relevanten Informationen liefern, fallen genauso durch das Raster wie schlechte und unpassende Bilder. Es geht also nicht nur darum, im Rahmen des Content Marketing mehr Augenmerk auf visuellen Content zu legen, sondern generell hochwertigen Content zu erstellen.

ESA Content, gezeigt von Andreas Schepers beim twrm

Beeindruckender Content der ESA, gezeigt von Andreas Schepers beim twrm 2015

Und genau an diesem Punkt muss in vielen Organisationen ein Umdenken stattfinden. Auf allen Social Media-Kanälen präsent zu sein, die Kommunikation aber einem Praktikanten zu überlassen, der, mangels Budget, seine Smartphone-Schnappschüsse verwendet oder bei fehlendem juristischem Know-how Urheberrechte von Fotografen verletzt, ist eher keine gute Idee. An diesem Punkt wird deutlich, dass die Kosten für Social Media und Content Marketing häufig unterschätzt werden. Doch bei aller Flüchtigkeit des Moments erkennen die Nutzer Qualität, wenn sie diese sehen. Daher kann es sich kein Unternehmen mehr leisten, an diesem Punkt zu sparen. Die Kosten für gut fotografierte Aufnahmen sind eine wichtige Investition. Schließlich lassen sich die meisten Bilder für unterschiedliche Zusammenhänge verwenden und oft zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal heranziehen.

Apropos Bilder – hat Sie meine Urlaubskatze eigentlich von den Inhalten abgelenkt – oder sind Sie schon immun gegen Cat Content?

Katja Kupka
#smcffm

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s